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The Wizard Of Oz

Diskussion in Forum: -
Reviewautor: Horst_Sergio
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Genre: Jump and Run
Größe: 8 MBit
Vertrieben von: Seta Corporation
Entwickler: Manley and Associates Inc
Spieler: 1
Level: ca. 30
Schwierigkeitsgrade: 1
Features: Passwörter

Das zweifelhafte Land

Für die Amerikaner ist Dorothys Reise nach Oz eine Art Pflichtlektüre der "Gutenachtgeschichten". Kein Wunder, dass diese mehrfach in Buchform aufgelegte und in verschiedenen Fassungen verfilmte Geschichte (im Laufe der Jahre gab es eine Cartoon-Serie, mehrere Pre- sowie Sequels und jüngst eine Realserie in deutlich düsterem Farbton) schließlich auch in Form eines Videospiels auf den Markt kam. Die schräge Atmosphäre des Musicalklassikers von 1939 fängt das Machwerk für das Super Nintendo immerhin ein. Die Grafik an sich ist nicht bahnbrechend, aber der Look wirkt einigermaßen vertraut, wenn man den Film kennt. Doch, ach wie schade: Es ist tatsächlich das einzig Positive am Spiel.

Dabei klingt zunächst alles so nett! Die Macher würfeln beliebige Elemente der verschiedenen Bücher und Filme zusammen. Dorothy bekommt von einer guten Hexe magische Schuhe und einen Zauberstab geschenkt und wird im nächsten Moment von der bösen Hexe angemeckert, die auch Dorothys Hund Toto entführt. Fortan gilt es also, das Land Oz zu bereisen, allerlei bösartige Kreaturen zu besiegen, den Hund zu befreien und Teile eines Rückreisetickets nach Kansas zu finden. Außerdem muss man Backsteine einsammeln, um am Ende eines Kartenabschnittes die zerstörte Brücke wieder zu erneuern und so die nächsten Areale zu erreichen. Als besonderes Schmankerl schließen sich im Laufe des Spiels die bekannten Charaktere aus der Geschichte an, die man jederzeit nach Belieben wechselt. Das erinnert ein wenig an alte NES-Spiele wie Teenage Mutant Ninja Turtles oder Mission Impossible. Jeder der Charaktere hat andere Spezialitäten auf Lager. Dorothy kann mit ihrem Zauberstab auf Feinde feuern. Dazu benötigt sie allerdings relativ selten auffindbare und arg begrenzte Energie in Form von Kristallen oder Sternen. Ihr Standardangriff ist ein wenig damenhafter Fußtritt. Mittels ihrer verzauberten Glitzerpantoffel kann sie kurzzeitig schweben, jedoch benötigt Dorothy auch hierfür rare Items. Die Vogelscheuche piekst den Gegnern recht effektiv mit einer Forke in den Pöter, erleidet selbst aber stets den meisten Schaden. Der Tin Man ist gar mit einer Axt bewaffnet und tritt gerne wild um sich. Dafür kann er nicht springen. Jeder Charakter hat Vorzüge, jedoch auch deutliche Schwächen.

Das klingt theoretisch recht abwechslungsreich, ist in der Praxis aber ziemlich vermurkst. Eine völlig sinnfreie Entscheidung der Designer ist es, die Aktionen der einzelnen Helden auf unterschiedliche Buttons zu verteilen. Da man mitunter auf das rasche Wechseln der Charaktere angewiesen ist, wird man im Eifer des Gefechts unnötige Fehler machen oder zumindest Energie verlieren, weil man schlichtweg die falschen Knöpfe drückt. Ebenso verwirrend ist, dass die "Helden" unterschiedlich auf Kollisionen mit den verschiedenen Gegnern reagieren und so mal mehr, mal weniger Schaden nehmen. Regelrecht unfair wird es in manchen Stages vor allem durch die schiere Masse an Gegnern, die sich irrational bewegen und ohne jegliche Vorwarnung wiederbelebt werden. Dass die Helden bei einem Treffer nicht zurückgeworfen werden oder kurzzeitig unverwundbar sind, sondern munter einen Energiepunkt nach dem anderen verlieren, schürt zusätzlichen Frust. Man stelle sich also vor, dass von links, rechts und auch oben Gegnersprites in unkoordinierten Wellenlinien auf einen zu kommen und man kann sich kaum zur Wehr setzen, geschweige denn ausweichen. Bedrängnis, Hektik, Fehlentscheidungen, Tod, Frust, Selbstzweifel, Hass, Mordgedanken, Psychiatrie. So oder so ähnlich!

Irgendwas läuft da grundsätzlich falsch. Die benötigten Backsteine zum Bau der Brücke kann man sich noch mit billigen Tricks ergaunern. Bereits bewältigte Stages darf man erneut bereisen und durch den Eingang wieder verlassen und so häuft munter die benötigten Steine an. Die Schnipsel für das Ticket nach Kansas hingegen lassen sich nicht so einfach auftreiben. Manche bekommt man durch Bonusspielchen, die man mit dem Hund Toto absolviert. Hier zählt überwiegend weniger Können, Wissen oder Geschick, sondern oft reines Glück. Manche Würfelspiele sind sogar so angelegt, dass man sie nahezu gar nicht lösen kann. Da kommt wenig Freude auf. Auch das Leveldesign lädt zum Aufregen ein! Die Stages sind kleine bis mittelgroße Gebiete, in denen man überwiegend (aber bitte auf den Milimeter genau) von Plattform zu Plattform hüpft - wenn man denn in der Lage ist, Plattformen von Hintergründen zu unterscheiden. The Wizard of Oz ist insgesamt weder Fisch noch Fleisch. Klar, der Look wirkt vertraut und auch die Musik kennt man aus dem Film. Letzten Endes ist die technische Aufmachung aber auch kein Highlight, sondern ebenfalls nur unterer Durchschnitt. Jedoch hilft selbst der untere Durchschnitt nicht weiter, wenn es an der Spielbarkeit scheitert. Zu viele gegnerische Sprites, die hundsgemein platziert sind, und die zu hungrig an der Energieleiste der Spielfigur und am Nervenköstüm des Spielers nagen. Zu viele Abgründe, die man hinunter purzelt, weil die Sprünge nicht perfekt sitzen. Das macht einfach keinen Spaß!

Eine kleine Anmerkung am Rande: Vermutlich aufgrund der nicht allzu hohen Popularität der Bücher und der Filme in Europa, erschien das Spiel The Wizard Of Oz lediglich in den Vereinigten Staaten von Amerika. Eine offizielle PAL-Version gibts also nicht. Videospiele-Masochisten oder Trash-Fans bleibt der Weg zum Importhändler nicht erspart.


BEWERTUNG

Grafik:
Technisch mittelmäßig - den Look der Filmvorlage aus dem Jahr 1939 treffen die Macher zwar, aber dennoch können weder Hintergründe, noch Figuren wirklich begeistern. Die Hintergründe sind teils lieblos aneinander geklatscht, farbarm und verwaschen. Zudem heben sich die Plattformen teilweise kaum von den Hintergrundgrafiken ab. Dank der vielen Gegner ist es oft nur ein kontrastarmes Gewusel.

Sound:
Der Umfang der Soundeffekte ist gering und teils auch unpassend.

Musik:
Die Musik kennt man größtenteils aus dem Film. Manche Themes sind passabel, nerven aber recht schnell, zumal die klangliche Umsetzung nicht wirklich klasse ist. Die träge und leiernde Version von "Somewhere Over The Rainbow" eigenet sich hervorragend um unliebsame und lästige Familienmitglieder einzuschläfern.

Gameplay:
Geht gar nicht! Die Steuerung der Figuren ist unterschiedlich: Manch eine Figur schwingt die Axt, wenn man den Button A drückt, eine andere springt. Da sind gravierende Fehler nach dem Wechsel der Charaktere vorprogrammiert. Was soll sowas? Auch sonst waltet pure Unfairness. Zu viele Gegner, zu viele, wirklich unfair designte Sprungpassagen, nervige bis unlösbare Bonusspiele, zu wenig Energie, teils unerreichbare Ticketschnipsel und nahezu nutzlose Bewaffnung der Helden. Klingt nach einem totalen Hit!

Dauerspaß:
Kommt nicht auf. Bereits in den ersten Stages verlangt das Spiel unglaubliches Können. Zwar kann man sich mit viel Geduld durch die Stages quälen, jedoch sieht es mit der Komplettierung des Spiels schon wieder ganz anders aus. Das Passwortsystem ist da wenig hilfreich. Wäre die Steuerung und die Bedienung der Helden besser ausgearbeitet, dann wär The Wizard Of Oz immerhin mittelmäßig oder bekäme wenigstens die Note "ausreichend". So ist es allerdings eines der schlechtesten Games auf dem SNES.

Fazit:
Die Unzulänglichkeiten sind nicht zu übersehen: The Wizard Of Oz macht fast alles grundlegend falsch. Schlechte Spielbarkeit, lahmarschig agierende und rumpelig animierte Helden krepeln vor langweiligen Hintergründen herum. Der Sound ist ätzend, das Leveldesign unfair und lieblos. Bereits nach drei, vier Stages verlässt einen die Motivation. Wer ganz eisern ist, der kämpft sich vielleicht weiter haufenweise ebenso unfair gestaltete, wie auch trist designte Levels. Spaß? Hahaha ... ja, klar! In der Hölle vielleicht.

Grafik: 4
Sound: 3
Musik: 3
Gameplay: 2
Dauerspaß: 2
Gesamtwertung 2