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Harley's Humongous Adventure

Diskussion in Forum: -
Reviewautor: Horst_Sergio
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Genre: Jump and Run
Größe: 4 MBit
Vertrieben von: Hi Tech Expressions
Entwickler: Visual Concepts
Spieler: 1 - 2
Level: 18
Schwierigkeitsgrade: 1 - mittel
Features: -

Liebling, ich habe Ant-Man geschrumpft!

Es gibt tatsächlich einige Spiele, die selbst in der Hochphase des Super Nintendo Entertainment Systems vollkommen untergegangen sind und für die auch Fans der Materie im Nachhinein nur eine Frage übrig haben: "Wat is dat denn?" Nun ja, es verwundert nicht, dass "Harley's Humongous Adventure" selbst zum Release kaum beachtet wurde: Es gab schlichtweg dutzende Jump 'n Runs, die um die Gunst der Spieler buhlten und Harley Humongous ist jetzt offensichtlich kein Game, das sich in irgendeiner Form positiv von der Konkurrenz abhebt.

Harley Humongous geht zwar mit einer relativ gut umgesetzten Mechanik an den Start, bietet aber leider keine Story mit Tiefgang oder Charaktere mit großartig Wiedererkennungswert. Andere Helden präsentieren sich im Vorfeld oder wenigstens im Spielverlauf durch eine nette Geschichte. Selbst ein "Bubsy" macht sich mittels eines Comics in der Spielanleitung beliebt. Typen wie etwa "Earthworm Jim" oder "Cool Spot" wirken bereits durch ihren Look und ihr Auftreten einladend genug, um das Interesse des Spielers zu wecken. Aber Harley Humongous? Schaut man sich das Artwork der Verpackung an, stellt man sich sogleich die Frage, wer der Typ eigentlich ist. Ein totaler Nerd im schlimmsten Teenager-Alter, der nach der Schule in eine Art Kampfanzug schlüpft und irgendwelche abstrusen Gerätschaften entwickelt? ... Häh!? ... Ist Harley Humongous die Versinnbildlichung geplatzter Kinderträume der Entwickler oder wie oder was? Steve Urkel und Iron Man in einem? Man wird es nicht erfahren. Vielmehr wird man ohne große Umwege ins Geschehen geschmissen. Mit anderen Worten: Harley bastelt in seinem Rocket-Suit an einer Schrumpfmaschine herum und natürlich geht dabei etwas schief. Die Maschine schrumpft ihn auf eine - gemessen an den verschiedenen Szenarien - inkonsistente Größe zwischen Daumennagel und dem Format einer beliebigen Actionfigur und explodiert danach. Also ... die Maschine explodiert und nicht etwa Harley - obwohl das für den Spieler auf kurz oder lang weniger Ärger bedeutet hätte. Harley muss nun die Teile der zerstörten Maschine finden und diese reparieren, um sich wieder auf seine alte Größe zu zappen. Dass er die Reparatur als Miniaturversion ohne fremde Hilfe umsetzen kann, ist zwar eine fragwürdige Angelenheit, aber na ja - vielleicht sollte man einfach nicht mit Logik an die Sache rangehen. Immerhin ist dies ein actionorientiertes Jump 'n Run der alten Schule und keine Real Life SciFi-Dokumentation.

Insgesamt 18 mal muss Harley losflitzen und jedes Mal gilt es ein Bauteil der Maschine sicherzustellen. Zu den 18 Stages gehören allerdings auch ein kurzes Introlevel und drei Minibosskämpfe, so dass unterm Strich 14 echte Level übrig bleiben. Harley macht es sich dabei selbst nicht leicht: Seine hektischen Bewegungsabläufe und das recht hohe Spieltempo sind nicht immer hilfreich, denn die Level sind vollgestopft mit Gegnern und Fallen. Noch krasser wird die Nutzung des Jetpacks. Hierzu muss Harley genügend Treibstoff einsammeln und kann dann kurzzeitig in die Lüfte aufsteigen. Die Steuerung funktioniert zwar an sich ganz gut, ist aufgrund des hohen Tempos aber extrem gewöhnungsbedürftig. Geringfügige Abwechslung wird durch Unterwasser-Sequenzen, labyrinthartiges Leveldesign oder eine zeitbegrenzte Hetzjagd durch Luftschächte eingestreut. Einsames Highlight in Sachen Gameplay ist eine Fahrt mit einem Spielzeugpanzer. Gegnern ballert Harley verschiedene, ebenso sammelbare Geschosse wie Nägel, Büroklammern und Reißzwecken um die Ohren. Hin und wieder muss er mit Saugnäpfen Wände emporkraxeln und es gibt Passagen, in denen er mit einem Fallschirm einen tiefen Fall abbremsen muss. Das allgemeine Spieltempo sorgt für reichlich Stress und die Platzierung der Gegner und Fallen grenzt dadurch teilweise an Unfairness. Tatsächlich ist "Harley's Humongous Adventure" aber gar nicht so. Man muss eben mit Vorsicht an die Sache rangehen. Wer sich vom hohen Tempo foppen lässt, der ist schnell einige Leben los.

Technisch betrachtet bietet Harley Humongous nur biedere Hausmannskost. Die Animationen der Knetfiguren sind recht gut gemacht, der allgemeine Look ist hingegen eher nur mittel. Harley selbst ist gut animiert worden, sieht aber nicht unbedingt sehr heldenhaft aus. Der Typ ist halt ein Nerd. Was will man machen? Wenn man einen Steve Urkel in einen Kampfanzug steckt, dann ist er eben immer noch Steve Urkel - zumal für Harleys Anzug ein ätzender Grünton gewählt wurde, der ziemlich übel nach Erbrochenem aussieht. Die Gegner hingegen wirken recht kauzig und weitgehend viel zu drollig zum Plattmachen. Der Ideenreichtum der Entwickler ist in diesem Game generell recht gering. Als Miniboss taucht in unregelmäßigen Abständen immer die gleiche monströse Ratte auf. Einziger Lichtblick hierbei ist bestenfalls, dass das Vieh von Mal zu Mal ramponierter aussieht. Die Hintergründe und das Leveldesign an sich bleiben meist deutlich hinter den Möglichkeiten des SNES zurück. Wirklich gut sehen nur die Legostein-Level aus. Der Rest ist dagegen recht zweckmäßig. Ähnliches lässt sich über den Sound sagen. Man wird von typischer Cartoon-Pop-Rock-Mucke begleitet, aber insgesamt sind fünf Themes inklusive des Titelstücks nun nicht gerade viel ... von den Soundeffekten mal ganz zu schweigen.

Willkommen im Land der Schrumpfköpfe! Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger war es "total in" oder "voll geil", einen Protagonisten auf die Größe eines Markstücks zu schrumpfen. Filme wie "Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft" oder "Die Reise ins ich" flimmerten genauso auf dem Bildschirm wie Spiele der Marke "Chip 'n Dale" auf dem NES, bzw. "Cool Spot" auf dem Super Nintendo. "Harley's Humongous Adventure" siedelt sich schlichtweg mittendrin an und macht weder etwas anders, noch irgendwas besser. Visual Concepts landete zuvor mit dem Auftakt der actiongeladenen Heli-Reihe "Desert Strike" einen Hit für das Super Nintendo. Der erste Plattformer des Entwicklerstudios ist jedoch sowohl technisch wie auch inhaltlich nur mittelmäßig. Das Gameplay, der Ideenreichtum und auch die putzige Claymation-Grafik erscheinen beim etwas später veröffentlichten "Claymates" deutlich gereifter, als in diesem Spiel. Schlecht ist durchaus was anderes, aber stellt man vergleichsweise ein "Cool Spot" daneben, dann siehts für "Harley Humongous" düster aus. Aber, um diese Aussage wenigstens etwas zu revidieren: Der Publisher Hi Tech Expressions brachte mit "Tom & Jerry", "The Hunt For Red October" und vor allem auch "Beethoven The Ultimate Canine Caper" bedeutend schlechtere Titel auf den Markt, und auch Visual Concepts selbst legte sich mit Spielen wie "Lester The Unlikely" deutlich fauliger müffelnde Eier ins eigene Nest! Diese Aussage hat zwar keine Bedeutung für die Qualität von "Harley Humongous", aber eine Tatsache ist und bleibt eine Tatsache.

BEWERTUNG

Grafik
Die Grafik an sich ist schon recht simpel gehalten, aber ein optischer Alptraum ist dann doch was anderes. Das Design der Gegner ist mitunter recht kauzig. Die Animationen der Knetfiguren sind in Ordnung.

Sound
Die Palette der Soundeffekte ist zugegebenermaßen recht dünn. Es geschieht optisch einiges auf dem Bildschirm, aber leider wird vieles davon akustisch nicht kommentiert.

Musik
Das Title Theme rockt ganz gut. So gut, dass es auch regelmäßig als Hintergrundmusik in den Stages auftaucht. Kompositorisch sind die restlichen Themes nicht der Oberhammer, aber die klare Instrumentierung mit den tollen Digi Drums und einem sattem Slap Bass kann gefallen.

Gameplay
Harley hat eins, zwei interessante Moves auf Lager. Der aufkeimenden Hektik zum Trotz funktioniert die Steuerung aber recht gut. Was man bekommt, ist spielerisch schon OK. Das Jetpack wird im späteren Verlauf jedoch zu einem Feature, das man mit Bedacht einsetzen muss.

Dauerspaß
An sich ist der Schwierigkeitsgrad nicht sehr hoch, aber durch das rasante Tempo und die Masse an teils fies platzierten Gegnern kommt schnell Stress auf. Die größten Hürden sind die ersten eins, zwei Stages, der Rest spielt sich dann wie von selbst. Abwechslung ist da, aber der Umfang im Ganzen erscheint dann doch etwas mager. Die Fahrt im Panzer ist beispielsweise ein willkommener, jedoch relativ einsamer Lichtblick. Der Rest ist spielerisch mittelprächtige Jump 'n Run Kost.

Fazit
Mit etwas mehr Abwechslung und einer etwas schickeren Präsentation hätte "Harley's Humongous Adventure" vielleicht das Zeug gehabt aus der Masse durchschnittlicher SNES Games herauszustechen. Ein kurzer Vorspann, eine kaum spürbare Geschichte und mehr oder weniger lose aneinandergereihte Stages steigern nicht unbedingt die Motivation des Spielers. Das Gebotene ist definitiv nicht schlecht, aber es hält den Vergleich mit anderen Games aus dem Jahr 1993 wie beispielsweise "Cool Spot", "Plok" oder selbst auch "Bubsy" kaum stand.


Und zu guter Letzt wieder die Version mit ohne lesen tun.

Grafik: 5.5
Sound: 3
Musik: 6
Gameplay: 7
Dauerspaß: 6
Gesamtwertung 6