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Dragon View

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Reviewautor: Horst_Sergio
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Genre: Rollenspiel
Größe: 16 MBit
Vertrieben von: Kemco
Entwickler: Kemco
Spieler: 1
Level: 1 Welt mit mehreren Arealen und diversen Dungeons
Schwierigkeitsgrade: 1, leicht bis mittel
Features: Batteriespeicher

Schau mal guck

Drakkhen kennt vielleicht der ein oder andere SNES-Fan. Das RPG von Kemco wurde in Europa von Infogrames veröffentlicht, eine Spieleschmiede, die wiederum eher dafür bekannt war, beliebte Comicfiguren wie Asterix und Obelix oder die Schlümpfe in knackschwere Jump & Runs zu verfrachten. In technischer Hinsicht präsentierte sich Drakkhen durchaus als ambitioniertes Game und ging eigene Wege. Spielerisch war es aber nicht der Hit. Da verwundert es kaum, dass der offizielle Nachfolger in Europa gar nicht erst veröffentlicht wurde.

Im Land Keire geht es eigentlich recht friedlich zu. Kein Wunder, dass der Held des Spiels zwar ein recht talentierter Schwertkämpfer ist, trotzdem aber seine Ausbildung hin und wieder etwas schleifen lässt und sich lieber mit seiner Freundin Katarina trifft. Das Glück der Beiden scheint perfekt zu sein, doch eines Tages taucht ein Magier im Dienste des aufstrebenden Fieslings Giza auf und kidnappt Katarina, da sie in der Lage ist, ein Portal zur Unterwelt zu öffnen. Es heißt, dass, wenn man im Dämonenpalast der Unterwelt einen übergroßen Edelstein - den sogenannten Prime Orb - aktiviert, man unendliche Macht erlangt und künftig über alle Welten herrscht. Wer würde das nicht wollen? Glücklicherweise stellt sich heraus, dass unser Held der letzte Nachkomme der mächtigen Drachenkrieger ist. Die Chancen, Katarina zu retten und Giza aufzuhalten, stehen also gar nicht so schlecht.

Es geht fortan also kreuz und quer durch das Land. Verschiedene Städte wollen bereist, notleidende NPCs kennen gelernt, haufenweise gegnerisches Pack verdroschen, diverse Items und Powerups gefunden, sowie abertausende Erfahrungspunkte gesammelt werden. Dragon View gestaltet sich dabei so simpel wie nur möglich. Besiegte Gegner liefern Erfahrungspunkte und hinterlassen manchmal Jade - das offizielle Zahlungsmittel in Keire - oder Energie. Levelaufstiege werden automatisch eingeleitet und verbessern das Können der Spielfigur erheblich. Zudem gibt es hier und da zusätzliche Aufstockungen der Lebensenergie und Magiepunkte, sowie Powerups für das Schwert und die Zweitwaffe namens Hauza (eine Mischung aus Wurfaxt und Boomerang). Das Teil ist zwar stärker als das Schwert, aber nicht immer wirklich brauchbar. Das Inventar ist ähnlich unkompliziert aufgebaut wie in Legend Of Zelda: A Link To The Past. Einige Items wird man auf der Reise einsammeln, die einem blockierte Türen öffnen. In der Wüste gibt es zum Beispiel ein Horn, das den Weg in eine isolierte Stadt freigibt. Wenn man später eine bestimmte Melodie erlernt hat, dann ebnet sich sogar eine Straße, die den Spieler zu einem verwunschenen Tempel führt. Im Grunde nichts neues, aber die Umsetzung überzeugt.

Dragon View ist, genau wie sein Vorgänger Drakkhen, vor allem wegen seiner optischen Gestaltung anders, als andere Rollenspiele auf dem SNES. Man kennt und schätzt J-RPGs á la Terranigma oder Final Fantasy 3, die einen in typischer Draufsichtperspektive auf den Helden, seine Kumpane und die gesamte Umgebung herabblicken lassen. Man fühlt sich mittendrin und mit der Figur verbunden und dennoch gleichzeitig erhaben. In Dragon View werden die Dungeons und Städte in der Seitenansicht mit etwas räumlicher Tiefe dargestellt. Hieraus ergeben sich actionlastige Kämpfe, die fast schon an Prügelspiele wie Legend oder Knights Of The Round erinnern. Allerdings ist die Zahl der Gegner stets übersichtlich. Es wird zudem nicht nur stoisch gekämpft, sondern durchaus Wert auf gut spielbare Sprungpassagen und kleinere Rätsel gelegt. Die Dungeons sind an sich zwar nicht sehr umfangreich, durch die Seitenansicht wirken die Laufwege mitunter dennoch ein wenig vertrackt. Ganz fiese Kniffe und Kopfnüsse behalten sich die Macher jedoch vor. Die Aufgaben sind durch Intuition und aufmerksames Verfolgen der Texte gut lösbar. In der Seitenansicht gefallen vor allem die humanoiden Sprites, die stilistisch ein wenig an Point & Click Adventures aus dem Hause LucasArts erinnern. Die Städte sind richtig schick designt, die Dungeons meist jedoch eher zweckmäßig.

Das eigentliche Herzstück des Spiels ist die Oberwelt: Eine komplett frei begehbare 3D-Karte. Die Egoperspektive ist definitiv selten auf dem Super Nintendo und vor allem in dieser Art von Spiel einzigartig. Mag sein, dass die Grafik keine effektreiche Augenweide darstellt (vor allem natürlich im Vergleich mit anderen 3D-Games späterer Konsolen- und Hardwaregenerationen), aber dafür läuft das Spiel absolut flüssig. Die Welt ist recht umfangreich und lädt trotz Kompass und Karte zum Verlaufen ein. Aufgrund der technischen Limitierung sieht die Welt nicht allzu abwechslungsreich aus und so kann man durchaus die Orientierung verlieren. Trotzdem gefällt das Game im Endeffekt, da die Art der Darstellung auf dem System nicht nur einzigartig, sondern auch im Hinblick auf die Spielbarkeit gutklassig umgesetzt ist. Die 3D-Oberwelt und die Dungeons in klassischer Seitenansicht harmonieren sehr gut miteinander. Hinzu kommt eine überwiegend schmeichelhafte Musikuntermalung, die einem das Gefühl vermittelt, tatsächlich auf Reisen zu sein.

Der Vorgänger Drakkhen baute bereits auf diese Technik und war ein ambitioniertes Spiel, doch leider endete es bereits damit. Die Bedienung der vierköpfigen Party war unglaublich kompliziert und unkomfortabel und im Gegensatz zu Dragon View war von einer Story keine Spur - es wurden einem nicht einmal Brotkrumen als Fährte gelegt, um in das Spiel hinein zu finden. Es gab kaum merkliche Grenzen zwischen den einzelnen Gebieten und so stolperte man unbedarft in Territorien, die aufgrund der dort ansässigen Gegnersbrut bestenfalls hochgelevelte Veteranen betreten durften. Dragon View ist da ganz anders! Es gibt lediglich eine Spielfigur und die Geschichte ist direkt zu Beginn präsent, wenn auch nicht gerade sonderlich neu oder aufregend. Die Art und Weise der Erzählung ist jedoch ebenso eigenständig wie die optische Aufmachung. Während der Gespräche der NPCs vermittelt ein neutraler Erzähler stets die Emotionen und Gestik der Charaktere. Das hat richtig viel Charme. Allerdings ist der rote Faden der Geschichte im späteren Verlauf ein wenig faserig - die Bestimmung von Zielorten und die Beschreibungen, was wann und wo zu tun ist, ist nicht immer ganz schlüssig. Dann heißt es schlimmstenfalls: Wer suchet, der findet. Nebenbei schafft man es aber stets, eins, zwei Level aufzusteigen. Der Schwierigkeitsgrad ist durchgehend fair - nicht zu schwierig, aber mit jeder neuen Etappe durchaus erstmal ein wenig fordernd. Wer eifrig levelt, der hat bestenfalls nur mit einigen Endbossen Schwierigkeiten. Aber selbst diese zwingt man recht bald in die Knie. Wer die Welt ganz ausgiebig betrachten will und alle Items finden und Geheimnisse lüften will, der dürfte gut und gerne 20 Stunden beschäftigt sein. Alles in allem eine rundum gute Mischung aus Rollenspiel und Action/Adventure.

Selbst in den USA ist Dragon View eine relativ rare Perle. Sammler und Komplettisten können sich auf gepfefferte Preise einrichten. Ist das lose Modul noch halbwegs erschwinglich, so liegt der Preis für komplette, originalverpackte Exemplare inklusive Poster mittlerweile bei deutlich über 200,- Euro.


BEWERTUNG

Grafik:
Die Grafik ist in technischer Hinsicht zwiegespalten. Die 3D-Welt sieht zwar nicht umwerfend aus, ist aber ruckelfrei dargestellt und auch umfangreich. Die Städte mitsamt ihrer Einwohner und auch die Dungeons sehen insgesamt sehr charmant aus. Mit Animationen zeigt sich Dragon View allerdings recht sparsam.

Sound:
Verhältnismäßig kleine, dennoch aber passende Palette an Effekten.

Musik:
Kurze, aber prägnante Themes, die in den Städten verträumt säuseln, auf Reisen meist heiter und beschwingt tönen und in den Dungeons teilweise richtig Druck erzeugen.

Gameplay:
Überwiegend simpel und eingängig. Die Steuerung funktioniert tadellos, lediglich in den Kämpfen braucht man ein bisschen Übung, da die räumliche Tiefe des Spielfelds erstmal irritiert. Die Handhabung des Menüs und der Einsatz der Items und Waffen funktioniert ebenso einwandfrei.

Dauerspaß:
Reichlich Kämpfe und eine motivierende Erzählung halten den Spieler auf Trab. Es gibt nur wenige Momente, in denen der Fortschritt kurzzeitig ins Stocken gerät. Doch allzu schwere Rätsel bekommt man gottlob nicht vorgesetzt. Der Schwierigkeitsgrad an sich ist genau richtig gewählt.

Fazit:
Ein tolles und leider sehr unbekanntes Rollenspiel, das sich weigert die Standards von Square Soft und Enix anzuerkennen und stattdessen lieber eigene Pfade beschreitet. Zwar ist die Geschichte nicht wirklich neu, aber dank der Aufmachung weiß das Game zu gefallen. Alle Fehler, die sich der Vorgänger Drakkhen erlaubte, werden hier souverän ausgemerzt.

Grafik: 8
Sound: 8
Musik: 8.5
Gameplay: 9
Dauerspaß: 8.5
Gesamtwertung 8.5