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Ultima The False Prophet

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Autor Horst_Sergio
Genre Rollenspiel
Größe 8 MBit
Publisher FFCI, Inc.
Entwickler Infinity
Spieler 1
Level eine große Welt mit diversen Dungeons und Städten
Schwierigkeitsgrad mittel / ansteigend
Features Batterie
Auf den Schwingen des Todes

...oder so ähnlich. Nun ja, Gargoyles greifen um sich und versetzen Britannia in Angst und Schrecken. Also, stürzen wir uns ins Portal und beamen uns zur Unterredung mit Lord British! Was? Wie!? Nix verstehen? Ach, ich vergaß! Ultima: The False Prophet ist ja schließlich der erste Teil der Ultima-Reihe, der auf dem seligen SNES veröffentlicht wurde. Tatsächlich existiert das Ultima Universum bereits in den frühen Achtzigern und bannt seitdem die Rollenspieler vor Monitore und Bildschirme. Der Schauplatz ist Britannia, eine mittelalterliche Welt mit diversen Städten und weitläufigen Ländereien. Wann immer es Ärger gibt, wendet sich der amtierende König - Lord British - vertrauensvoll an den Avatar, der mittels Portal aus einer fremden Welt nach Britannia reist. Dies geschieht nunmehr zum sechsten Male und der Avatar hat sich bereits auf dem NES seine Sporen verdient, wie auch deutliche Spuren in Britannia hinterlassen. Kennt man die Vorgänger nicht, so ist es definitiv sinnvoll, auch die Spielanleitung zu wälzen, denn die Geschichte baut auf den Vorgängern auf und auch viele spielerische Grundprinzipien sind erhalten geblieben. Nichts desto trotz ist es natürlich ein bisschen doof, wenn unbedarfte Abenteurer nach Britannia reisen und auf haufenweise Gesichter treffen, die den Avatar als willkommenen Freund empfangen, während dieser von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Das lässt sich nicht einmal mit geschickten Story-Kniffen wie Amnesie erklären, die einen in neumodernen Games immer so schön mit den Augen rollen lassen.

Der Auftakt des sechsten Abenteuers ist sogar richtig verzwickt: Der Avatar gerät in eine Falle und wird zunächst mal von Gargoyles bedroht. Doch schnell steht ihm eine Truppe alter Freunde und Weggefährten zur Seite, befreit den Avatar und reist mit ihm zum Palast von Lord British. Interessant: Britannia versprüht sofort einen enorm kruden und individuellen Charme. Ultima ist keine Spielreihe, die man objektiv betrachten kann. Entweder man mag das Game so kantig und verschroben wie es ist oder man mag es nicht. Ultima ist ein westlich orientiertes Rollenspiel, das wird sofort deutlich. Nach der Unterredung mit Lord British steht dem Spieler die gesamte Welt offen. Man erhält zwar den Auftrag, die Gargoyles zu vernichten und die Portale zu schließen, aus denen sie strömen, doch dafür benötigt man nicht nur Kampfkraft und Waffenstärke, sondern auch bestimmte Runensteine. Und jene wiederum sind in der ganzen Welt verstreut worden und nur mit Geschick und dem Erledigen verschiedener Sidequests zu kriegen. Vergleicht man The False Prophet mit jüngeren Games, dann dürfte einem der vierte Teil der Elder Scrolls in den Sinn kommen. Auch in Oblivion galt es, die Portale zur Unterwelt zu schließen, welche die einzelnen Städte der Welt bedrohten. Auch Oblivion ließ dem Spieler ähnliche Freiheiten bei der Vorgehensweise und der Entwicklung der Spielfigur.

Allerdings gibts in The False Prophet noch klassische Rundenkämpfe. Diese werden jedoch nicht auf separaten Kampfbildschirmen ausgeführt. Sobald einer oder mehrere Gegner dem Heldengespann auf den Pelz rücken, erscheint ein Kampfmenü, in dem man sich für die weiteren Aktionen entscheiden kann. Da einem das Spiel jedoch die Freiheit gewährt, in alle Himmelsrichtungen marschieren zu dürfen, läuft man auch schnell Gefahr, mal eben auf übermächtige Gegner zu treffen. Zudem ist die Bedienung ein wenig störrisch geraten. Vor allem das Inventar ist in strikter Anlehnung an das PC-Pendant recht unkomfortabel und eher unübersichtlich. Auf dem PC dank Maussteuerung simpel und intuitiv - auf dem SNES mittels Gamepad ziemlich friemelig. Das Ausrüsten der Spielfigur und das emsige Verschieben der Items von einem Mitstreiter zum Nächsten bedeutet reichlich Extraarbeit. Auch die Nutzung der Magie ist nicht einfach zu durchschauen. Man benötigt verschiedene Ingredienzen, um Zauber wirken zu können. Wie sich diese nötigen Bestandteile zusammensetzen erfährt man im Handbuch oder bestenfalls durch ausgiebiges Sammeln. Zum Glück erlaubt einem das Spiel aber auch ein nahezu gänzlich freies Speichern oder im Zweifelsfall die Wahl, sich direkt zum Palast von Lord British zu beamen, um sich heilen zu lassen. Ebenso knifflig ist das Entschlüsseln der Quests. Anstatt wie in typischen Japano-RPGs der Marke Secret Of Mana, Final Fantasy oder Terranigma regelrecht an einer roten Schnur zum Ziel geführt zu werden, sollte man sich den ausgiebigen Plausch mit allen NPCs geben. Von jenen wiederum gibt es verflucht viele und die meisten haben enorm viel zu erzählen, wenn auch größtenteils belanglosen Kram. Diese Anekdoten machen aber auch einen gravierenden Anteil der düsteren Atmosphäre des Spiels aus. Alle Texte sind in latent geschwollenem Englisch geschrieben, das dem Bild eines rauhen und finsteren Mittelalters erst den rechten Stempel aufdrückt.

Wer ein einfaches Abenteuer erwartet, der sollte einen großen Bogen um Ultima: The False Prophet machen. Davon ab ist das Game alles andere als schlecht. Die Heldentruppe ist interessant gemischt, die Entwicklungsmöglichkeiten der Figuren sind gut durchdacht und die Spielmechanik ist durchaus fair. Allerdings ist Ultima: The False Prophet auch eckig und kantig, der Einstieg ist fordernd, die Bedienung komplex, Erklärungen zu den Details sowohl in spielerischer wie auch erzählerischer Hinsicht wollen mühsam gesucht und gefunden werden. Ultima macht es dem Spieler nicht leicht. Es ist eine Herausforderung. Wenn man frustresistent und gleichermaßen begeisterungsfähig ist, dann kann man viel Spaß mit dem Game haben. Wenn man eher unkomplizierte und geradlinig vorgetragene Action will, dann sollte man bei Zelda, Terranigma oder selbst Secret Of Mana bleiben.


BEWERTUNG:

Grafik:
Die Welt kann dank individuellem und abwechslungsreichen Design richtig gut gefallen, obwohl die Perspektive ein wenig steil erscheint. Die Innenräume der Gebäude wirken detailfreudig, die Dungeons sind vor allem eines: Düster. Die Sprites sind nett gestaltet, wenn auch eher sparsam animiert. Der Wechsel zwischen Tag und Nacht inklusive extrem verkleinertem Sichtfeld kann an den Nerven zehren. Das Menü mit den winzigen Feldern ist leider wenig übersichtlich gestaltet.

Sound:
Mittelmäßige Soundeffekte, vor allem die Monster könnten sich akkustisch deutlicher bemerkbar machen.

Musik:
Das Main Theme gehört zweifellos in die Riege der schönsten Musikstücke, die jemals für ein Rollenspiel komponiert wurden. Auch sonst kann die musikalische Untermalung des Spiels richtig gut gefallen.

Gameplay:
Tja, es scheiden sich die Geister. Ultima: The False Prophet ist unglaublich komplex - in jeglicher Hinsicht und gewährt dem Spieler nahezu unbändige Freiheit. Dennoch ist die Handhabung eher steif und unflexibel. Es bedeutet viel Arbeit, sich ins Inventar einzuarbeiten und Zugang zu den Spielprinzipien zu finden. Trotz Unübersichtlichkeit und friemeligem Mikromanagement funktioniert die Bedienung jedoch, wenn man sie erstmal beherrscht.

Dauerspaß:
Der Spieler wird es nicht leicht haben, sich im Geschehen einzufinden. Man muss sich das Spielvergnügen hart erarbeiten. Das ist nicht jedermanns Sache. Wenn einen das Spiel jedoch erstmal gepackt hat, dann lässt es einen auch nicht mehr los.

Fazit:
Die Möglichkeit, einfach mal die Welt zu durchstreifen und irgendwelche x-beliebigen Dungeons auf den Kopf zu stellen, ohne dabei irgendwelchen Aufträgen nachzugehen, wird einem nur in den wenigsten RPGs auf dem SNES gewährt. In Ultima: The False Prophet wird man nicht an die Hand genommen und seicht vom Anfang der Geschichte bis zum Ende geführt. Der Avatar steht mit seinen Kumpels am Auftakt einer Geschichte, deren einzelne Weg- und Anhaltspunkte er suchen muss, wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Obendrein ist das Game nicht nur irre komplex und verschachtelt, sondern noch nicht mal ne audiovisuelle Offenbarung oder zumindest in mechanischer Hinsicht einwandfrei vom PC portiert. Aber genau das ist der Knackpunkt: Die zeitaufwendige Einarbeitung in die Spielmechanik, die spärlich gelegten Brotkrumen auf dem Weg zum Erfolg, die Entscheidungsmöglichkeiten hinsichtlich der Charakterentwicklung - all das kann man dem Spiel negativ ankreiden, wenn man den Zugang nicht findet. Ebenso kann man es aber auch schlichtweg abfeiern, wenn einen das Game erst einmal gepackt hat. Eines bedeutet es in jedem Fall: Arbeit! Man muss belastbar sein und sich auf die eigenwillige Art von Ultima einlassen können. Ist das der Fall, dann erwartet einen ein unglaublich ambitioniertes Gesamtwerk.

Wertung

Grafik 7
Sound 6
Musik 9
Gameplay 8
Dauerspaß 8
Gesamtwertung 8.0